Tradition weitergegeben -
Gemeinde erhält Taufstock aus Bernburg

Während es in den neuapostolischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt zur Grundausstattung einer jeden Gemeinde gehört, kennen viele andere Gemeinden außerhalb dieses Gebietskirche den Taufstock noch nicht - oder nicht mehr.

In den letzten Jahrzehnten wurde auch in Merseburg das Wasser für die Heilige Handlung der Taufe in einer sogenannten Taufschale geweiht, welche während des Gottesdienstes ihren Platz auf dem Altar hatte. Zum Zeitpunkt der Taufhandlung wurde jene durch einen Amtsbruder vor dem Altar in den Händen gehalten. Während gebürtige Merseburger Gemeindemitglieder diese Form als allgemein üblich kennen, reagieren manche Mitglieder aus den benachbarten Kirchenbezirken darauf erstaunt.

Kleine Unterschiede - eine neuapostolische Tradition

In der deutschen Neuapostolischen Kirche gelten insbesondere die hessischen, Berliner und sachsen-anhaltinischen Regionen als traditionsstark. Als frühe neuapostolische Zentren haben jene Kirchenbezirke über längere Zeit Traditionen und Abläufe bewahrt, während es in anderen Gebieten, auch aufgrund der am Anfang des 20. Jahrhundert stark wachsenden Anzahl der Gemeinden, zu einer Vereinfachung der liturgischen Formen kam.

In den vergangenen zehn Jahren kam es in der Kirche zu einer bewussten Erneuerung der Liturgie, bei der die Sakramente wieder deutlicher in den Fokus gestellt wurden, aber es fehlte bislang an einer kritischen neuen Betrachtung der liturgischen Geräte. Deshalb treten zwischen traditionell geprägten Gebieten und anderen Gemeinden auch heute noch erkennbare Unterschiede auf. So werden in vielen hessischen Gemeinden alte Abendmahlskelche verwendet oder in Berliner und sachsen-anhaltinischen Gemeinden Taufstöcke.

Der Taufstock - ein neuapostolisches Erbe

Als Taufstock wird eine meist aus Holz gefertigte Säule mit Platte bezeichnet in welcher die Taufschale eingelassen ist. Im Gegensatz zum Taufbecken ist der Taufstock kleiner gehalten, transportabel, und fasst nur eine geringe Wassermenge zum Benetzen der Stirn des Täuflings. Eine Taufe mit fließendem Wasser, z.B. mit einer Taufkanne, ist damit in der Regel nicht möglich.

In der Frühgeschichte der Neuapostolischen Kirche stellten Taufstöcke noch das Idealbild als liturgisches Gerät zur Taufe dar. Aufgrund der vielen kleinen und ärmlichen Gemeinden war es nicht überall und immer möglich, entsprechende Geräte anfertigen zu lassen. Dennoch gab es regional Befürworter von Taufstöcken, so zum Beispiel in der Region Sachsen-Anhalt unter der frühen Leitung des Bischofs Franz Hübner.

Nach der Jahrhundertwende fand unter dem Kirchenleiter und Stammapostel Friedrich Krebs und Hermann Niehaus eine Relativierung der Taufe und Vereinfachung der Liturgie statt. Dies hatte zur Folge, dass die Taufhandlung selbst, insbesondere im Verhältnis zur Heiligen Versiegelung, an Bedeutung verlor. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden so auch die Taufpaten abgeschafft und die Gemeinde als Pate deklariert. Diese Verständnisänderung wirkte sich in den vielen neu gegründeten und nach dem Krieg neu errichteten Kirchengemeinden so aus, dass die Taufe auch optisch reduziert wurde, also statt eines Taufstocks vielerorts nur noch Taufschalen, manchmal sogar nur noch ausgediente Abendmahlspatenen oder -kelche für das Taufwasser verwendet wurden.

In den letzten Jahren findet, auch aufgrund des geänderten Taufverständnisses, eine Rückbesinnung auf alte apostolische Traditionen und liturgische Elemente statt. Im Raum Sachsen-Anhalt werden bei Kirchenneubauten, zum Beispiel in Bernburg, auch neue Taufstöcke angefertigt, nicht mehr benötigte Taufstöcke werden an andere Gemeinden abgegeben, so zum Beispiel der Taufstock der Gemeinde Wahlsdorf an Bielefeld-Sennestadt oder einer aus Oranienbaum nach Bielefeld-Brake. Aber auch in gänzlich anderen Regionen gibt es erste Neuanfertigungen, so zum Beispiel in Niedersachsen oder in Teilen Nordrhein-Westfalens.

Der Merseburger Taufstock - ein neuapostolisches Geschenk

Zum Karfreitag wird der Kirchenleiter der Gebietskirche Sachsen-Anhalt, Apostel Jens Korbien, den Gottesdienst in Merseburg halten. Während dieser Feierstunde wird es auch eine heilige Wassertaufe geben. Erstmals wird diese nun auch in Merseburg an einem Taufstock stattfinden. Das liturgische Gerät ist eine Schenkung der neuapostolischen Gemeinde in Bernburg. Jene hat im letzten Jahr ihre neu gebaute Kirche bezogen und einen neuen und modernen Taufstock erhalten. Der bisher Genutzte wurde der Gemeinde Merseburg überlassen. Nach einer kurzen Renovierung des etwa 50 Jahre alten Objekts wird dieses nun am Karfreitag wieder seiner Nutzung übergeben.

Auch außerhalb von Taufgottesdiensten wird der neue Taufstock im Altarbereich zu sehen sein. Links vom Altar dient er allen Gottesdienstbesuchern auch als Erinnerung an die eigene Wassertaufe und den damit geschlossenem Bund mit dem Herrn. Der eine Taufstock dient auch als Zeichen, dass alle Gemeindemitglieder und Christen mit dem einen Wasser getauft sind auf den einen Herrn und damit zu dem einen Leib Christi gehören.

Der Bund Gottes - Erhöhung und Erinnerung

Der Taufstock ist also nicht nur ein Hilfsmittel zu dem Zweck, dass ein Amtsträger die Taufschale nicht mehr halten muss, sondern auch eine sichtbare Erhöhung der heiligen Handlung und eine stetige Erinnerung an den mit Gott geschlossenen Bund.